Shopify B2B einrichten: Praxis-Guide 2026 — auch ohne Shopify Plus

Shopify B2B einrichten: Praxis-Guide 2026 — auch ohne Shopify Plus

Seit dem 2. April 2026 hat sich für alle, die einen B2B-Shop auf Shopify einrichten möchten, die Ausgangslage spürbar verändert. Die nativen B2B-Funktionen, fast vier Jahre lang exklusiv für Shopify Plus, stehen jetzt auch in den Plänen Basic, Grow und Advanced bereit — ohne Aufpreis. Damit fällt die größte Hürde für kleine und mittlere Händler weg: Wer Großkunden bedienen wollte, musste vorher in einen Plan wechseln, der bei rund 2.300 USD pro Monat startet.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, was du jetzt nativ einrichten kannst, wo die Grenzen liegen und wann sich Shopify Plus weiterhin lohnt. Außerdem führen wir dich Schritt für Schritt durch die Einrichtung — mit Hinweisen, die in der offiziellen Shopify-Doku oft fehlen.

1. Was hat sich am 2. April 2026 geändert?

Shopify hat seine zentralen B2B-Funktionen aus dem Plus-Plan in die regulären kostenpflichtigen Pläne übertragen. Konkret bedeutet das:

  • Basic, Grow und Advanced erhalten jetzt native B2B-Funktionen direkt im Adminbereich
  • Keine zusätzlichen Kosten, keine externen Apps für die Grundfunktionalität
  • Plus bleibt für tiefergehende Anforderungen relevant

Bis zu diesem Stichtag mussten kleinere Händler entweder eine Sammlung aus Apps wie Wholesale Pricing Discount, B2B Wholesale Club oder ähnlichem zusammenstecken — oder den Sprung auf Plus wagen. Beides war für viele Shops mit überschaubarer B2B-Kundschaft unverhältnismäßig.

2. Welche B2B-Funktionen sind jetzt in jedem Plan enthalten?

Mit der Erweiterung erhältst du auf Basic, Grow und Advanced unter anderem folgende native Bausteine:

  • Unternehmensprofile: B2B-Kunden werden nicht mehr als einzelne Kontakte, sondern als Unternehmen mit zugehörigen Unternehmenssitzen und mehreren Kontakten verwaltet
  • Bis zu drei aktive Kataloge: Pro Shop kannst du drei B2B-Kataloge anlegen, die jeweils individuelle Preise und Sortimente festlegen
  • Volumen- und Staffelpreise: Mengenrabatte und Mindestbestellmengen direkt in den Katalogen
  • Zahlungsbedingungen: Netto-Zahlungsziele wie Netto 14, Netto 30 oder Netto 60 — das im B2B übliche Rechnungsgeschäft
  • Hinterlegte Kreditkarten für wiederkehrende Bestellungen
  • B2B-fähiger Checkout im selben Shop wie der D2C-Verkauf

Das bedeutet: Du kannst einen kombinierten Shop für Privat- und Geschäftskunden betreiben, ohne deine Architektur grundlegend umbauen zu müssen.

3. Was bleibt Shopify Plus vorbehalten?

Vier zentrale Funktionen sind weiterhin nur auf Plus verfügbar:

  1. Unbegrenzte Kataloge — wer mehr als drei Preisgruppen oder Sortimentsvarianten braucht, muss auf Plus
  2. Direkte Katalogzuweisung pro Unternehmen oder Standort — auf den kleineren Plänen erfolgt die Zuweisung über Shopify Markets, nicht pro Kunde individuell
  3. Anzahlungen (z. B. 30 % bei Bestellung, Restzahlung nach Versand)
  4. Teilzahlungen für gestaffelte Zahlungspläne

Vor allem Punkt 2 ist in der Praxis wichtig: Wer wirklich kundenindividuelle Preise abbilden will, ohne Kunden in Markets zu gruppieren, braucht weiterhin Plus.

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4. Bevor du Shopify B2B einrichtest: drei Entscheidungen

Bevor du mit der eigentlichen Einrichtung startest, solltest du drei Punkte geklärt haben — sie lassen sich später nur schwer ändern.

Erstens: Kombinierter oder dedizierter Shop? Ein kombinierter Shop verwaltet B2C und B2B im selben Backend, mit denselben Produkten und Beständen. Ein dedizierter Shop ist ein eigener Shopify-Shop nur für Geschäftskunden. Wenn dein Sortiment, deine Lager und dein Team identisch sind, ist der kombinierte Shop fast immer die richtige Wahl. Eine Trennung ergibt nur Sinn, wenn dein B2B-Geschäft komplett anders aussieht als dein D2C — anderes Sortiment, andere Marken, eigenes Team.

Zweitens: Wer darf was sehen? Standardmäßig ist dein B2B-Shop öffentlich. Jede Person sieht Produkte und Inhalte, aber nur eingeloggte B2B-Kunden sehen B2B-Preise und exklusive Sortimente. Wenn dein Geschäftskunden-Bereich vollständig hinter dem Login liegen soll (häufig bei Wiederverkäufern oder im Fachhandel), brauchst du einen dedizierten Shop oder eine zusätzliche Zugangsbeschränkung.

Drittens: Welcher Plan? Für viele kleinere Händler reicht jetzt Basic. Wer mehr Bestellvolumen, niedrigere Transaktionsgebühren oder erweiterte Reports braucht, sollte Grow oder Advanced kalkulieren. Plus wird erst dann relevant, wenn du eine der oben genannten Plus-only-Funktionen tatsächlich brauchst.

5. Shopify B2B einrichten: Schritt für Schritt

Schritt 1: Plan und Shop-Typ festlegen

Prüfe in den Shop-Einstellungen, dass du auf Basic, Grow, Advanced oder Plus bist. Entscheide dich anschließend zwischen kombiniertem und dediziertem Setup. Diese Entscheidung lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand revidieren — den Großteil der Einrichtung müsstest du dann wiederholen.

Schritt 2: Unternehmen und Unternehmenssitze anlegen

Im Adminbereich findest du unter Kunden > Unternehmen den Bereich, in dem B2B-Kunden gepflegt werden. Ein Unternehmen ist die übergeordnete Klammer; darunter hängen ein oder mehrere Unternehmenssitze (z. B. Hauptsitz, Filialen, Lager). Jeder Unternehmenssitz kann eigene Liefer- und Rechnungsadressen, Zahlungsbedingungen, Steuerbefreiungen und Kataloge haben.

Wenn du B2B-Daten mit einem ERP synchronisierst, kannst du an dieser Stelle externe IDs hinterlegen, was die Anbindung später deutlich erleichtert.

Schritt 3: Kontakte zuordnen

Anschließend ordnest du die einzelnen Personen (Einkäufer, Buchhaltung, Geschäftsführung) als Kunden den Unternehmenssitzen zu. Pro Person legst du fest, welche Berechtigungen sie hat: nur bestellen, nur einsehen, oder Bestellungen freigeben. Die Berechtigungslogik ist auf den nicht-Plus-Plänen vorhanden, aber weniger granular als auf Plus.

Schritt 4: Katalog erstellen

Ein Katalog definiert, welche Produkte zu welchen Preisen verfügbar sind. Auf Basic, Grow und Advanced hast du bis zu drei aktive Kataloge. Typische Konstellationen:

  • Katalog 1: Standard-Wiederverkäufer (z. B. minus 25 %)
  • Katalog 2: Premium-Partner (minus 35 %)
  • Katalog 3: Exklusiv-Sortiment für ausgewählte Großkunden

Innerhalb eines Katalogs kannst du Mengenregeln (z. B. nur in 6er-Schritten bestellbar) und Volumenrabatte (z. B. ab 50 Stück zusätzlich minus 5 %) festlegen.

Schritt 5: Katalog über Markets zuweisen

Hier liegt der wichtigste Unterschied zu Plus: Auf den nicht-Plus-Plänen wird ein Katalog nicht direkt einem Unternehmen, sondern einem Market zugewiesen. Du musst also für deine B2B-Kundengruppen passende Markets anlegen und die Unternehmen diesen Markets zuordnen. Für homogene Kundengruppen ist das praktikabel; für hochindividuelle Preisgestaltung wird es schnell unübersichtlich — und wer das wirklich braucht, sollte Plus in Betracht ziehen.

Schritt 6: Zahlungsbedingungen einrichten

Unter den Einstellungen jedes Unternehmenssitzes legst du fest, ob ein Kunde sofort bezahlen muss, gegen Rechnung mit Netto-Zahlungsziel kaufen darf oder bestimmte manuelle Methoden wie Banküberweisung nutzt. Im DACH-Raum ist Rechnungskauf mit 14 oder 30 Tagen Standard, nicht Ausnahme.

Schritt 7: Anmelde- und Sichtbarkeitslogik konfigurieren

Aktiviere die neuen Kundenkonten — die alten Legacy-Konten unterstützen kein B2B. Entscheide, ob dein Shop frei zugänglich ist oder nur eingeloggte B2B-Kunden Zugriff haben. Im kombinierten Shop ist der Login der Schalter, der zwischen B2C- und B2B-Erlebnis umschaltet.

Verlinke die Login-URL gut sichtbar — etwa im Footer als „Großhandel" oder „B2B-Login" — und überlege, ob du ein Anfrageformular für neue Geschäftskunden ergänzt, das du manuell prüfst und freigibst. Die manuelle Prüfung (Gewerbenachweis, USt-IdNr., ggf. Branchenzugehörigkeit) ist im B2B üblich und filtert Privatkunden zuverlässig heraus.

Schritt 8: Theme prüfen und anpassen

Aktuelle kostenlose Themes (Version 11.0+) zeigen Mengenregeln und Volumenpreise automatisch an. Bei älteren oder Custom-Themes musst du die entsprechenden Liquid-Snippets nachziehen. Auch das spezielle B2B-Theme Trade ist eine Option, wenn du einen reinen B2B-Auftritt baust.

Schritt 9: Mit einem Testkonto durchspielen

Lege dir ein Testunternehmen mit Testkunden an und teste den kompletten Ablauf vom Login über die Produktansicht bis zum Checkout — einmal als B2B-Kunde, einmal als D2C-Kunde. Achte besonders auf die Preisanzeige (Netto vs. Brutto), die verfügbaren Zahlungsmethoden und die Versandoptionen.

6. DACH-spezifische Punkte, die du nicht übersehen darfst

Nettopreise im B2B: Geschäftskunden erwarten Nettopreise. Shopify unterstützt das, aber du musst die Anzeige aktiv konfigurieren — und sicherstellen, dass die Bruttopreise im D2C-Bereich davon unberührt bleiben.

USt-IdNr.-Prüfung: Eine automatische Validierung über das VIES-Verfahren ist in Shopify nativ nicht enthalten. Für rechtssichere innergemeinschaftliche Lieferungen (Reverse Charge) brauchst du entweder eine zusätzliche App oder einen manuellen Prüfprozess vor der Freigabe eines Unternehmens.

Pflichtangaben nach PAngV: Trotz Nettopreis-Anzeige müssen im D2C-Teil deines Shops die rechtlichen Pflichtangaben sauber vorhanden sein. Wenn du einen kombinierten Shop betreibst, ist dieser Punkt besonders heikel — die D2C-Seite muss vollumfänglich PAngV-konform bleiben, auch wenn du daneben einen B2B-Bereich pflegst.

Reverse Charge auf Rechnungen: Bei B2B-Lieferungen in andere EU-Länder muss der Reverse-Charge-Hinweis korrekt auf die Rechnung — idealerweise automatisiert aus deinem ERP oder über eine geeignete Rechnungs-App.

7. Wann reicht das native B2B — und wann nicht?

Das native Setup reicht aus, wenn:

  • Du mit ein bis drei Preisgruppen arbeitest
  • Deine Konditionen weitgehend standardisiert sind (nicht pro Kunde individuell verhandelt)
  • Deine B2B-Kundschaft überschaubar ist
  • Du keine Anzahlungen oder Teilzahlungen brauchst
  • Eine ERP-Anbindung über Standard-Schnittstellen (JTL, weclapp, Sage) ausreicht

Du kommst an Grenzen, wenn:

  • Du mehr als drei Katalog-Varianten brauchst
  • Preise pro Kunde individuell aus einem ERP kommen sollen
  • Du Anzahlungen oder Ratenzahlungen abbilden musst
  • Komplexe B2B-Versandlogiken nötig sind (Spedition, Palette, kundenspezifische Tarife)
  • Du einen vollwertigen Sales-Rep-Workflow brauchst, bei dem Außendienstler im Namen ihrer Kunden bestellen

In diesen Fällen ist entweder Shopify Plus die Antwort, oder du ergänzt Apps wie SparkLayer, Wholesale Helper oder Eshop Guide B2B, die spezifische Lücken füllen.

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8. Häufige Stolperfallen beim Einrichten

  1. Markets-Logik missverstanden: Wer auf den nicht-Plus-Plänen Kataloge direkt einem Unternehmen zuweisen will, sucht vergebens. Die Zuweisung läuft immer über Markets.
  2. D2C-Kunden sehen B2B-Inhalte: Wenn du im kombinierten Shop nicht sauber trennst, können Privatkunden B2B-Banner oder -Hinweise sehen. Theme-Inhalte musst du gezielt für die jeweilige Zielgruppe ausspielen.
  3. Theme nicht B2B-bereit: Bei Custom-Themes oder älteren Themes fehlen oft die Snippets für Mengenregeln und Volumenpreise. Vor dem Launch unbedingt prüfen.
  4. Legacy-Kundenkonten aktiv: Shopify B2B funktioniert ausschließlich mit den neuen Kundenkonten. Wer noch auf Legacy steht, muss umstellen — und das betrifft auch die D2C-Kundschaft.
  5. Versand vergessen: Die Standard-Versandregeln in Shopify sind nicht B2B-bewusst. Differenzierte Versandkosten je nach Kundengruppe oder Bestellwert lassen sich nativ nur eingeschränkt abbilden.

9. Fazit: Wann sich Shopify B2B jetzt für dich lohnt

Mit dem Update vom 2. April 2026 wird Shopify zum ersten Mal eine echte Option für kleine und mittlere Händler, die einen ernsthaften B2B-Kanal aufbauen wollen — ohne sofort fünfstellige Jahreskosten für Plus zu stemmen. Für viele Wiederverkäufer-, Großhandels- und Hybrid-Setups ist das, was jetzt nativ verfügbar ist, vollkommen ausreichend.

Gleichzeitig sind die Grenzen klar: Wer kundenindividuelle Preise direkt aus dem ERP, Anzahlungen oder mehr als drei Kataloge braucht, wird weiterhin Plus benötigen oder muss mit Apps ergänzen.

Unsere Empfehlung: Starte mit dem nativen Setup, sammle Erfahrungen mit deinen ersten B2B-Kunden — und entscheide erst dann, ob ein Upgrade auf Plus oder eine zusätzliche App wirklich nötig ist. Die Migration zwischen den Plänen ist nahtlos möglich, ein Replatforming ist nicht erforderlich.

Nico Münster
Shopify-Entwickler
Aktualisiert am