Shopify B2B und B2C in einem Shop: Was seit April nativ geht und wo die Grenzen liegen

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Shopify B2B und B2C in einem Shop: Was seit April nativ geht und wo die Grenzen liegen

Du verkaufst schon an Endkunden und willst jetzt zusätzlich Geschäftskunden bedienen? Oder du hast einen B2B-Shop und möchtest ihn für Endkunden öffnen? Dann stehst du vor einer Grundsatzentscheidung: zwei getrennte Shops oder alles in einem. Seit dem Rollout der nativen B2B-Funktionen im April ist die zweite Variante auch ohne Shopify Plus realistisch geworden. In diesem Beitrag zeigen wir dir, was nativ funktioniert, wo die Steuerlogik heikel wird und an welchen Stellen du weiterhin auf Eigenprogrammierung oder Apps angewiesen bist.

1. Zwei Wege: getrennte Shops oder ein Shop für beides

Grundsätzlich hast du zwei Optionen, wenn du B2B und B2C gleichzeitig bedienen willst.

Zwei getrennte Shops: ein reiner B2C-Shop und ein reiner B2B-Shop. Der Vorteil ist die klare Trennung. Der Nachteil ist doppelte Datenpflege (Produkte, Bestände, Inhalte), zwei Shopify-Abos und zwei Themes, die du getrennt pflegst.

Ein Shop für beides: B2B wird in den bestehenden B2C-Shop integriert. Du hast eine Datenbasis, ein Abo und ein Theme. Der Preis dafür: die Steuerlogik und die Unterscheidung nach Kundengruppe werden anspruchsvoller. Genau darum geht es im Rest dieses Beitrags.

2. Native B2B-Funktionen: seit April auch in den Standardplänen

Bis vor Kurzem war natives B2B in Shopify ein Plus-Thema. Seit dem Rollout im April stehen die zentralen B2B-Funktionen auch in den Standardplänen zur Verfügung: Firmenkonten, kundengruppenspezifische Kataloge und Preislisten. Damit kannst du unterschiedlichen Kundengruppen unterschiedliche Preise und Sortimente zeigen, ohne eine separate B2B-App zu betreiben. Für viele Shops, die B2B bisher über eine App abgebildet haben, lassen sich damit monatliche App-Kosten einsparen.

Wenn du die native B2B-Funktion grundsätzlich einrichten möchtest, findest du in unserem separaten Beitrag eine Schritt-für-Schritt-Erklärung zu Shopify B2B einrichten.

2.1 Was die Standardpläne können und was nicht

Die wichtigste Grenze der Standardpläne (Basic, Grow, Advanced) ist die Anzahl der B2B-Kataloge: Du hast in allen drei Standardplänen maximal drei. Wer mehr differenzierte Katalog- und Preisstrukturen braucht, kommt an Shopify Plus mit unbegrenzten Katalogen nicht vorbei. Zusätzlich unterscheiden sich die Standardpläne untereinander, zum Beispiel bei den Möglichkeiten, Inhalte je Markt im Theme anzupassen.

B2B-Kataloge gibt es auf den Standardplänen bis zu drei, bei Plus unbegrenzt. Firmenkonten und Preislisten sind in beiden Fällen dabei. Inhalte je Markt im Theme anzupassen ist auf den Standardplänen eingeschränkt (ab Advanced mehr Spielraum), bei Plus umfangreich.

Ob sich Basic, Grow, Advanced oder Shopify Plus für dein Vorhaben lohnt, hängt stark von der Anzahl deiner Kataloge, Preislisten und B2B-Sonderfälle ab. Eine ausführliche Einordnung dazu findest du unter Shopify B2B Kosten.

3. Die Steuerlogik

Der anspruchsvollste Teil bei einem gemeinsamen Shop ist die korrekte Preisdarstellung. B2B-Kunden erwarten Nettopreise, B2C-Kunden sehen Bruttopreise. Und je nach Kunde greift eine andere steuerliche Behandlung. Drei Fälle solltest du auseinanderhalten.

3.1 Deutsche B2B-Kunden: die Umsatzsteuer bleibt

Ein häufiger Irrtum: bei B2B-Kunden entfalle die Umsatzsteuer. Das stimmt für das reine Inland nicht. Verkaufst du als deutsches Unternehmen an ein deutsches Unternehmen, fällt ganz normal Umsatzsteuer an. Auf der Produktseite kannst du dem B2B-Kunden den Nettopreis zeigen, im Checkout wird der Bruttopreis mit ausgewiesener Umsatzsteuer abgerechnet. Reverse Charge spielt hier keine Rolle.

3.2 EU-Ausland mit gültiger USt-IdNr.: Reverse Charge

Anders sieht es aus, wenn du an ein Unternehmen im EU-Ausland lieferst, das eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hat. Dann greift das Reverse-Charge-Verfahren: die Steuerschuld geht auf den Käufer über und im Checkout wird ein Nettopreis ausgewiesen. Ein Beispiel ist ein österreichischer Geschäftskunde mit gültiger österreichischer USt-IdNr.

3.3 EU-Ausland ohne gültige USt-IdNr.: Bruttopreis

Fehlt dem EU-Kunden die gültige USt-IdNr., darf kein Reverse Charge angewendet werden. Auf der Produktseite bleibt der Nettopreis stehen, im Checkout wird aber der Bruttopreis berechnet. Gerade dieser Fall ist wichtig, weil nicht jeder B2B-Kunde zwingend eine gültige USt-IdNr. mitbringt.

3.4 Konsistenz: netto auf der Produktseite, netto oder brutto im Checkout

Die eigentliche Arbeit liegt darin, diese Fälle konsistent über den ganzen Shop abzubilden: Nettopreis auf der Produktseite, dann je nach Kunde der richtige Netto- oder Bruttopreis im Checkout und das ohne Sprünge oder widersprüchliche Anzeigen. Die nativen Funktionen decken viel ab, aber nicht jeden Sonderfall. Damit die Darstellung überall stimmig ist, ist in der Praxis häufig etwas Eigenprogrammierung nötig.

4. Wo Shopify nativ an Grenzen stößt

Neben der Steuerlogik gibt es drei typische Stellen, an denen die nativen Funktionen allein nicht ausreichen.

4.1 Versandkosten nach Kundengruppe unterscheiden

Ein klassisches Beispiel: B2C-Kunden bestellen ab 50 Euro versandkostenfrei, B2B-Kunden erst ab 150 Euro. In den Shopify-Versandtarifen kannst du Versandkostenfreiheit an Land, Gewicht oder Bestellwert knüpfen, aber nicht daran, ob jemand B2B- oder B2C-Kunde ist. Diese Unterscheidung bietet Shopify über die Standard-Versandtarife nicht.

Die saubere Lösung dafür sind Delivery Customization Functions (Shopify Functions) oder eine passende App. Damit lassen sich für B2B-Kunden andere Schwellen und Tarife ausspielen und die B2C-Tarife im Checkout ausblenden, sodass zum Beispiel statt "Standard" nur noch "Standard B2B" mit den richtigen Bedingungen erscheint.

4.2 Produkte und Preise für nicht eingeloggte B2B-Besucher

Manchmal soll ein B2B-Produkt inklusive Preis auch für nicht eingeloggte oder noch nicht registrierte Besucher sichtbar sein, etwa weil du dafür Ads schaltest und den Preis in der Anzeige kommunizierst. Der Kaufabschluss soll aber erst nach Login oder Registrierung möglich sein. Nativ ist das so nicht vorgesehen: entweder ist ein Produkt sichtbar und kaufbar oder nicht. Der Zwischenweg (Produkt und Preis zeigen, den "In den Warenkorb"-Button aber durch einen Login-Hinweis ersetzen, bis der Kunde eingeloggt ist) lässt sich über Eigenprogrammierung umsetzen.

4.3 Inhalte je Kundengruppe ausspielen

Auch bei den Inhalten willst du oft unterscheiden. Ein Rabattbanner auf der Startseite ergibt für B2C Sinn, soll deinen B2B-Kunden aber nicht angezeigt werden. Über den Advanced-Plan kannst du je Markt eigene Sections und Texte ausspielen. Wer keinen Advanced-Plan buchen möchte, kann solche Unterscheidungen auch über Eigenprogrammierung lösen.

Du willst B2B und B2C in einem Shop sauber umsetzen?

Wenn du deinen B2B-Bereich in einen bestehenden B2C-Shop integrieren willst und wissen möchtest, ob die Steuerlogik sauber funktioniert, kontaktiere uns. Wir schauen uns dein Vorhaben unverbindlich an und geben dir eine ehrliche Einschätzung.

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Nico Münster
Beratung & Frontend-Entwicklung

Nico ist Shopify-Entwickler und strategischer Shopify-Berater bei Sayweb. Mit über sieben Jahren Erfahrung in der Softwareentwicklung und einem Bachelor in Wirtschaftsinformatik der Universität Hildesheim begleitet er B2C- und B2B-Unternehmen im DACH-Raum bei der Umsetzung individueller Shopify-Projekte. Sein Themenspektrum reicht von Theme-Entwicklung und App-Integrationen über Migrationen bis hin zum rechtskonformen Shopbetrieb in Deutschland. Auf dem Sayweb-Blog und YouTube-Kanal teilt er regelmäßig Tutorials und Praxiserfahrungen aus laufenden Projekten. Seine Freizeit verbringt Nico mit seiner Familie oder im Fitnessstudio.